Good Trends

Die Welt wird besser, als wir glauben. Über Statistiken, die Mut machen.

„Auch unter den schlimmsten Umständen habe ich die Freiheit, meine Gedanken darüber zu bestimmen. Natürlich sollte man nicht schönreden, was schrecklich ist. Aber man darf den Blick dahin lenken, wo gute Dinge geschehen.“

– Florence Gaub

Was wäre, wenn die Welt für die allermeisten Menschen in den meisten Regionen der Erde tatsächlich besser werden würden? Im heutigen Sturm der Omnikrise und der unbrechbaren Dominanz der Gegenwart unvorstellbar. Oder?

Wir haben uns an eine andere Erzählung gewöhnt, simpel aber ohrenbetäubend: Alles wird schlimmer. Mehr Kriege, mehr Krisen, mehr Armut, mehr Krankheiten, mehr Katastrophen. Die Welt scheint sich unaufhaltsam auf ihren Niedergang zuzubewegen.

Diese Sichtweise speist sich vor allem aus einer Wahrnehmung, die sich fast ausschließlich an einzelnen Ereignissen orientiert – an Schlagzeilen, Ausnahmesituationen und täglichen Aufregern. Umso kleinteiliger und kurzfristiger der Blickwinkel wird, desto weiter rücken die langsamen, oft unspektakulären Entwicklungen und Zusammenhänge in den Hintergrund, die über Jahre und Jahrzehnte hinweg das Leben von Milliarden Menschen verbessern.

Ausweg aus der Negativitätsspirale

Diese Haltung hat einen Preis: Wer überzeugt ist, dass ohnehin alles verloren ist, verliert auch den Glauben daran, dass Veränderung möglich und notwendig ist. Aus fehlender Zuversicht entsteht Resignation. Aus Zynismus erwächst nur selten konstruktiver Gestaltungswille. Pessimismus erscheint zwar häufig als Ausdruck von Klugheit oder Realitätsnähe – und wer mit zu viel Zuversicht auf die Welt blickt, macht sich sowieso leicht angreifbar – aber tatsächlich lähmt er oft jene Kräfte, die gesellschaftlichen Fortschritt überhaupt erst möglich machen.

Es ist an der Zeit, den Horizont zu öffnen. Im Licht einer konstruktiven Wahrnehmung und hoffnungsvollen Neugier sieht die Welt schon ganz anders aus. Nein, nicht alles ist gut – und Schönfärberei oder Verdrängung führen auch nicht weiter. Aber wahr ist auch: Erstaunlich vieles ist besser geworden. Und eine Menge kann noch besser werden. Die Chancen waren noch nie so gut.

„Wir sind so gut darin, uns auf den Worst Case vorzubereiten. Aber bereitet sich irgendwer auf den Best Case vor?“

– Luisa Neubauer

1. Und sie kommt DOCH, die Energiewende!

Lange galt die Vorstellung, dass erneuerbare Energien den Sprung aus der Nische niemals schaffen würden: zu teuer, zu ineffizient – mehr Öko-Idealismus als ernsthafte Wirtschaftstechnologie. Fossile Energien schienen auf absehbare Zeit alternativlos.

Diese Stimmen gibt es auch heute noch – aber sie werden immer leiser. Denn wir stehen am Wendepunkt der Energiegeschichte: Der rasante Durchbruch der erneuerbaren Energien läutet ein neues Zeitalter ein: das elektrische Zeitalter. Nicht etwa, weil es ökologisch sinnvoll ist – sondern vor allem, weil Solar- und Windenergie den fossilen Alternativen längst auch ökonomisch und technologisch überlegen sind.

Die neo-elektrische Revolution erfasst die gesamte Wirtschaft und Gesellschaft: Sie verändert weltweit Industrien und Lebensweisen – beispielsweise in der Mobilität, wo wir den Peak der Verbrennungsmotoren schon unbemerkt überschritten haben –, schafft neue Wachstumsmärkte und verschiebt geopolitische Machtverhältnisse. Was als Utopie der ökologischen Transformation begann, wird als ganzheitlicher wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Strukturwandel im globalen Maßstab schon heute wirksam.

DIE ENERGIEWENDE IST LÄNGST KEIN ÖKOLOGISCHES PROJEKT MEHR – SONDERN DIE ÖKONOMISCHE ZUKUNFTSCHANCE.

2. Die Menschheit schrumpft – und das ist gut so!

Vor mehr als 50 Jahren veröffentlichte der Biologe Paul R. Ehrlich den Weltbestseller „Die Bevölkerungsbombe“. Darin prognostizierte er, dass aufgrund von rasant ansteigenden Bevölkerungszahlen weltweit Hungersnöte auftreten und Hunderte Millionen Menschen verhungern werden – fälschlicherweise! Doch bis heute geistert in vielen Köpfen die Formel der „Überbevölkerung“ herum: Der Mensch ist ein Parasit am Planeten, und da er immer zahlreicher wird, rasen wir auf den Abgrund zu. Hinter diesem Bild verstecken sich oft tiefgreifende rassistische Ideologien.

Tatsächlich hat der Trend zum Bevölkerungswachstum längst einen Tipping Point erreicht. In nahezu allen Weltregionen sinken die Geburtenraten – nicht nur in wohlhabenden Industriestaaten, sondern zunehmend auch in Schwellen- und Entwicklungsländern. In einigen Staaten Afrikas, Asiens und Südamerikas sind die Fertilitätsraten in den vergangenen Jahrzehnten um mehr als 30 Prozent zurückgegangen. Und selbst in traditionell geburtenstarken Gesellschaften wie Indien oder Bangladesch liegt die Fertilität mittlerweile unter dem Bestandserhaltungsniveau von 2,1 Kindern pro Frau.

Studien sind sich mittlerweile einig darin, dass wir den Zenit der Weltbevölkerung in wenigen Jahrzehnten erreichen und die Zahl der Menschen dann wieder schrumpfen wird. Erste Demografen wie Paul Morland warnen bereits vor dem nächsten demographischen Super-GAU, in dem immer weniger junge Menschen kaum noch für eine rasant alternde Bevölkerung aufkommen können. Doch auch dieses Schreckensbild greift zu kurz, denn Wohlstand und Lebensqualität sind nicht von einer bestimmten Zahl von Menschen abhängig – sondern von qualitativen Faktoren wie Bildung, Gesundheit, Produktivität und technologischen Fähigkeiten. Darauf muss sich unser Blick richten.

DER HUMAN PEAK MARKIERT DEN BEGINN EINER NEUEN DEMOGRAFISCHEN EPOCHE. DIE ZUKUNFT DER MENSCHHEIT LIEGT NICHT IN IHRER ANZAHL, SONDERN IN IHRER WEITERENTWICKLUNG.

3. Menschenrechte sind resilienter, als wir glauben!

Das Zeitalter der Menschenrechte scheint vorbei. Weltweit geraten demokratische Institutionen, internationale Organisationen und universelle Rechtsnormen zunehmend durch reaktionäre Bewegungen unter Druck. Wie wirkmächtig wird dieser Gegentrend zum zivilisatorischen Fortschritt? Ist der Abstieg von Recht und Gerechtigkeit unvermeidlich?

Auch wenn vielerorts schmerzende Rückschritte zu beobachten sind, ist eine neue Human-Rights-Welle dennoch nicht ganz unwahrscheinlich. Während in einigen Ländern reaktionäre Populisten an die Macht kommen, entstehen andernorts neue Formen von Toleranz, Gleichberechtigung und rechtlicher Anerkennung. Was wir aktuell sehen, lässt sich als progressives Paradox beschreiben: Der revisionistische Backlash selbst zeigt, wie wirkmächtig der erarbeitete zivilisatorische Fortschritt im Hintergrund längst geworden ist.

AUF DEM LANGEN WEG DES ZIVILISATORISCHEN FORTSCHRITTS SIND RÜCKSCHRITTE UNVERMEIDLICH – ABER NICHT IMMER TRENDGEBEND.

Aus „Beyond 2027“ – dem Jahrbuch für Zukunft

Dies ist ein gekürzter Auszug aus unserem neuen Jahrbuch für Zukunft „Beyond 2027“. Wer sich für weitere Good-Trend-Statistiken, inspirierende Zukunftsperspektiven und eindrucksvolle Bildstrecken zu den wichtigsten Entwicklungen der kommenden Jahre interessiert, dem sei unser Jahrbuch ans Herz gelegt.