von The Future:Project
Ein Auszug aus der Metastudie „Next Economy“.
25. März 2026
Es scheint, als befinde sich die Wirtschaft an einem entscheidenden Punkt zwischen zwei Extremen: dem Rückzug ins Alte oder dem Absprung ins Neue. Es gibt das Lager derer, die zurück zum Alten wollen und dabei nicht anders können, als einem zerstörerischen Ausbeutungsimperativ zu folgen. Die Wirtschaft wird zur Domäne des Stärkeren. Das andere Lager beherbergt die, die Quantum- und Überflussnarrative predigen und vor lauter Innovations- und Tech-Hype die nicht-technologischen Realitäten lebendiger Systeme völlig außer Acht lassen. Auch hier folgt Wirtschaft der Logik des Stärkeren.
Gibt es nur die Entscheidung zwischen Ausbeutung als Ausweg und Quantum-Hype als Ausrede?
Statt uns zwischen Nostalgie und Hype aufzureiben, wollen wir Brücken in die Next Economy aufzeigen, die es möglich machen, einen Schritt nach dem anderen vorwärts zu gehen – auf vielfältigen Zukunftspfaden, die anschlussfähig sind und zur aktiven Gestaltung einladen. Diese Brücken sind Konzepte, Denkmuster und Fähigkeiten, die den Weg in die Next Economy erleichtern.
Bevor wir uns auf den Weg machen, müssen wir jedoch verstehen, warum das gegenwärtig dominierende Wirtschaftsmodell vor tiefgreifenden Herausforderungen steht und weshalb eine Transformation zur Next Economy notwendig ist. Formal scheint unsere Gegenwartsökonomie ein nach wie vor wirksames System zu sein. Doch sie stößt zunehmend an ihre ökologischen, sozialen und strukturellen Grenzen.
Im Zentrum der Wirtschaft von heute steht noch immer ein altes Leistungsprinzip, das quantitative Bewertungsmaßstäbe bevorzugt und dabei zur Entfremdung von Arbeitenden, Konsumierenden und natürlichen Ressourcen führt. Auch Einsamkeit und soziale Fragmentierung sind Nebeneffekte des Effizienz- und Wettbewerbsdenkens. Wachstum und Skalierung gelten als oberste Ziele; Expansion und Beschleunigung werden nicht als Risiken, sondern als Tugenden begriffen. Überflusskonsum und die systematische Externalisierung von ökologischen und sozialen Folgekosten werden aus den Bilanzen ausgelagert und auf die Allgemeinheit oder zukünftige Generationen übertragen. Eine Tendenz zur Antiregulation begünstigt die Extraktion natürlicher und menschlicher Ressourcen, während künstliche Verknappung als Instrument der Marktmacht eingesetzt wird.
Kennzeichnend für die tiefgreifenden Herausforderungen der Old Economy ist ein ausgeprägt kurzfristiges und lineares Denken. Gewinnmaximierung dominiert über langfristige Perspektiven: Anstatt strukturelle Ursachen im Kern zu adressieren, beschränkt man sich häufig auf das Managen von Problemen – auf symptomorientierte Lösungsansätze ohne systemischen Wandel. Linearität und Starrheit spiegeln sich in Organisationsstrukturen, Produktionsprozessen oder Lieferketten wider. Kontrolle und Stabilität gelten als Leitprinzipien; statt aktiver Gestaltung steht häufig die Verwaltung des Status quo im Vordergrund.
Schließlich prägt eine ausgeprägte Konkurrenzlogik das System: Hierarchien und Karriereleitern strukturieren das Innenleben von Organisationen, während nach außen Monopolisierungstendenzen und eine Gegeneinander-Dynamik zwischen Marktteilnehmenden dominieren. Die Folgen sind wachsende Ungleichheit innerhalb von Gesellschaften sowie zwischen dem Globalen Norden und dem Globalen Süden, die zunehmende Prekarisierung von Arbeit, sowie Demokratiedefizite durch wirtschaftliche Machtkonzentration. Wichtig bleibt zu verstehen: Ausbeutung und Extraktion – von Mensch und Natur – sind keine Randerscheinungen, sondern systemimmanente Merkmale. Die Digitalität hat diese Dynamiken in weiten Teilen nicht aufgelöst, sondern vielfach verstärkt – und macht zugleich die Widersprüche des Modells sichtbarer denn je.

Gehen wir einen Schritt nach vorne und werfen einen Blick auf die Metaebene: Welche Prinzipien, Fähigkeiten und Denkmuster prägen die Next Economy?
Die folgenden Konzepte gehen dieser Frage nach und stellen fünf Brücken vor, die wegweisend für die Transformation unserer Wirtschaft sind. Welche Brücken Menschen und Unternehmen nutzen, ist ihnen überlassen und hängt von ihren individuellen Voraussetzungen und Fähigkeiten ab. Nicht alle gehen denselben Weg. Manche sind vielleicht schon über die ein oder andere Brücke gegangen. Einige vermeiden eine bestimmte Brücke, wieder andere gehen eine Brücke hundertmal oder setzen sich in der Mitte hin und lassen die Beine baumeln. Nicht alle kommen auf der anderen Seite an, und für viele sieht diese andere Seite anders aus, als sie es sich vorgestellt haben. Denn die Next Economy ist kein Zielbild, keine nächste Stufe, sondern eine Haltung. Sie ist die Bereitschaft, den ersten Schritt zu machen.
Fünf Brücken beschreiben, was wir verändern müssen – in Haltungen, Prinzipien und wirtschaftlichen Logiken:
Drei Fähigkeiten beschreiben, wie dieser Wandel gelingen kann – was Menschen und Organisationen brauchen, um die Brücken wirklich zu betreten:
Tiefgehende Einblicke in die Brücken und Fähigkeiten der Next Economy sowie in zahlreiche Interviews mit Expert:innen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft finden Sie in der Metastudie „Next Economy“.
